Wie Eltern Sprachkompetenz fördern können

Der Schatz der Mehrsprachigkeit

Sprachkompetenz bedeutet Chancengleichheit

„Sprache ist Heimat“, sagt Sibylle Grigat und verweist dabei gerne auf den Sprachphilosophen Wilhelm von Humboldt. Denn mit Sprachkompetenz verstehen die Menschen ihre Mitmenschen und können mit ihnen reden, mitfühlen, mitlachen und mitgestalten. Das Beherrschen der Muttersprache und der Umgebungssprache bietet Selbstsicherheit und Heimatgefühl. Für Kinder und Jugendliche bedeutet frühe Sprachkompetenz Chancengleichheit.

3.000 Wörter für das erste Schuljahr

Grigat nennt Zahlen: Mit dem Eintritt in die Kita kennen sprachlich gut entwickelte Kinder 900 Wörter. Bei mehrsprachigen Kindern verteilt sich dieser Wortschatz auf die gesprochenen Sprachen. „Bis vor ein paar Jahren wurde ganz selbstverständlich gesagt, dass Kinder während der Kita-Zeit ihren Wortschatz um rund 2.500 Wörter erweitern und einen Gesamtwortschatz von über 3.000 Wörtern brauchen, um dem Unterricht im ersten Schuljahr folgen, lernen und sich aktiv beteiligen zu können“, so Grigat. Kinder mit nicht-deutscher-Muttersprache müssen während ihrer Kita-Zeit daher viele deutsche Wörter lernen, um dem Unterricht folgen zu können. Dann haben sie eine Chance auf Bildung, Integration und schulischen Erfolg.

Wenn Deutschkenntnisse beim Kita-Start fehlen

„Immer mehr der dreijährigen Kinder haben nicht genug Deutschkenntnisse, um ihre dringendsten Bedürfnisse zu äußern“, schildert Grigat die Situation in den Raunheimer Kitas. „Zum Eintritt in die Kita liegt der deutsche Sprachschatz der Kinder mit Migrationshintergrund oft deutlich unter 50 Wörtern. Nicht selten können sie kein einziges Wort aktiv sprechen“, berichtet sie. Dies habe dann oft eine schwierige Eingewöhnungszeit zur Folge. Die Kinder kommen schwerer in die deutsche Sprache, weil sie beim Spielen in ihrer stärker entwickelten Muttersprache sprechen. In der Kita fehlt wegen des hohen Anteils an Kindern ohne Deutschkenntnisse das deutsche „Sprachbad“.

Auch Eltern können Sprachentwicklung stärken

„Die Stadt Raunheim leistet einen großen Beitrag zur Chancengleichheit der Kinder“, unterstreicht Grigat das Engagement der Stadt. Denn die Stärkung der deutschen Sprache zählt zu den wichtigsten Aufgaben der Schulvorbereitung in der Kita. Dennoch wirbt die Stadt auch um die Unterstützung der Eltern, um Sprachkompetenz zu fördern.

Kinder können zwei Sprachen lernen

Welche ist also die starke Sprache der Eltern, welche Sprache beherrschen sie am besten? Und welche Sprache ist die Wichtigste für das Kind? Der Deutsche Bundesverband der Logopädie rät: „Eltern sollten in der Sprache mit Ihrem Kind sprechen, die sie am besten beherrschen und in der sie sich am sichersten fühlen“. In vielen Fällen ist dies die Muttersprache.

„Kinder könnten sehr gut zwei oder mehr Sprachen lernen“, berichtet Grigat. Je früher die Kinder mehrere Sprachen hören, umso leichter lernen sie diese. Mehrsprachige Eltern sollen indessen nicht Deutsch mit ihren Kindern sprechen, wenn sie Deutsch nicht so gut beherrschen. Denn wichtig für das Kind ist ein korrektes Sprachvorbild. Dennoch dürfen mehrsprachige Eltern Deutsch reden, wenn ihre Kinder anwesend sind. Denn um Deutsch zu lernen, ist es wichtig, dass das Kind Eltern hört, die motiviert sind, mit anderen Personen Deutsch zu sprechen, wie zum Beispiel in der Kita. Für mehrsprachige Haushalte rät auch das Heidelberger Zentrum für Entwicklung und Lernen, dass zuhause je ein Elternteil eine Sprache spricht. „Unsere Kinder haben es verdient, dass wir in der Sprache sprechen, in der wir uns am genauesten, am schönsten und am buntesten ausdrücken können.“

Gleich nach der Geburt mit dem Baby sprechen

„Wichtig ist, dass die Eltern von Anfang an mit dem Baby sprechen“, rät Grigat. Sie sollten jede Handlung sprachlich begleiten. Das Kind hört, spürt die Emotionen und wird animiert die Sprache zu imitieren. „Der Alltag bietet viele Möglichkeiten der Kommunikation“, sagt sie. Eltern können ihrem Kind erzählen, was sie gerade machen, Handlungen sprachlich begleiten, Vorlesen, Singen und Fingerspiele spielen. „Mit dem Kind zu sprechen ist auch ein Zeichen von Zuwendung und Liebe“, betont Grigat.

Wollen Sie mehr zu dem Thema erfahren?

Sibylle Grigat lädt herzlich dazu ein, sich gemeinsam mit der Familie oder in einer kleinen Runde mit Freunden weiter zum Thema auszutauschen und zu informieren. Gerne kommt sie dafür auch zu interessierten Familien nach Hause oder trifft sich mit ihnen in geeigneten Räumlichkeiten der Stadt. Das Angebot ist selbstverständlich kostenlos. Melden Sie sich gerne unter der Telefonnummer 06142 / 402 239 oder per E-Mail über s.grigat@raunheim.de.