Raunheim erhält Fairtrade-Siegel

Vom Fairtrade-Stand in der Kirche zur Fairtrade-Town

Was bedeutet Fairtrade?

Fairtrade ist ein Produktions- und Handelssystem. Das weltweit bekannte Sozialsiegel garantiert Menschen in kleinbäuerlichen Betrieben sowie Arbeiterinnen und Arbeitern in Afrika, Asien und Lateinamerika gerechte Preise, sorgt für menschenwürdige Arbeitsbedingungen und macht den Welthandel gerechter. Fair gehandelte Produkte sind unter anderem Lebensmittel, Schmuck und Textilien.

Kriterien mit Bravour erfüllt

Raunheim ist die 948. Fairtrade-Stadt in Deutschland und die 87. in Hessen. Ehrenbotschafter Manfred Holz übergab in einem feierlichen Rahmen Bürgermeister David Rendel und dem Steuerungsteam für die Bewerbung um das Zertifikat die Urkunde. „Für die Auszeichnung Fairtrade-Town hat Ihre Stadt mit Bravour die weltweit gestellten fünf Kriterien bestens geschafft“, lobte er alle Beteiligten, insbesondere die Steuerungsgruppe.

Die Kriterien für die Verleihung des Zertifikats lauten: Beschluss der Stadtverordnetenversammlung, Bildung einer Steuerungsgruppe, Verkauf von fair gehandelten Produkten im Einzelhandel und in der Gastronomie, Einbindung von öffentlichen Einrichtungen wie Schulen mit Bildungsaktivitäten sowie Öffentlichkeitsarbeit für den fairen Handel.



Aktive Steuerungsgruppe

In den Händen der Steuerungsgruppe liegen die Aktivitäten zum fairen Handel vor Ort. Beteiligt sind Ulrike Simon (Fairtrade-Laden Raunheim), Dorothee Herberich (Dezernentin Soziales, Senioren und Kultur), Dieter Kissel (Vorsitzender Gewerbeverein), Christina Arnold (Antonius-von-Padua-Gemeinde), Marvin Arnold (Leiter katholischer Jugend-Treff Raunheim), Karin Jechimer (Leiterin des städtischen Teams Umwelt und Klimaschutz) und Kerstin Buda-Friedrich (Fairtrade-Regionalberaterin).

Beitrag für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen

Holz gab eine Einschätzung über den Bekanntheitsgrad des Fairen Handels in Deutschland. Dieser liege bei 90 Prozent. 92 Prozent der Käuferinnen und Käufer hielten das Siegel für vertrauenswürdig und die Qualität der Produkte für gleich gut oder besser als konventionelle Erzeugnisse. „Mit dem Kauf von Fairtrade-Produkten geben Sie keine Spende oder Almosen, sondern leisten einen nachhaltigen Beitrag zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen und bekämpfen somit aktiv eine der Fluchtursachen“, so Holz.



Fairer Handel beginnt im eigenen Ort

Bürgermeister David Rendel freute sich über die besondere Auszeichnung für die Stadt und hob hervor, was hinter diesem Siegel steht. „Eine solche Auszeichnung erhält eine Stadt nicht einfach so. Sie ist das Ergebnis von Engagement, von Überzeugungsarbeit und von vielen Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen“, stellte der Rathauschef fest. Sein Dank galt deshalb der Steuerungsgruppe, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Fairtrade-Ladens, den beteiligten Gastronomiebetrieben und Einzelhandelsgeschäften sowie allen Beteiligten, die dazu beigetragen haben, die Kriterien zu erfüllen und den Fairen Handel in Raunheim sichtbar zu machen.

Fairer Handel beginne direkt vor Ort, so Rendel. Kommunen könnten mit gutem Beispiel vorangehen „Wir können zeigen, dass globale Verantwortung und lokales Handeln unmittelbar miteinander verbunden sind“, unterstrich der Rathauschef. Deshalb sollte die Auszeichnung kein Schlusspunkt, sondern ein Ansporn sein. Das Siegel ist zeitlich auf zwei Jahre begrenzt und muss dann re-zertifiziert werden.



Freude über wachsenden Fairtrade-Kreis

„Wir wissen, dass dieser Schritt nicht so einfach ist“, urteilte Wolfgang Bleith, der wusste, wovon er sprach. Denn er ist Sprecher der Fairtrade-Steuerungsgruppe Bischofsheim und Vertreter der Steuerungsgruppe Fairtrade Kreis Groß-Gerau. Es freue ihn, dass die Fairtrade-Gemeinde wachse und der Fairtrade-Gedanke noch besser unterstützt werde.

Vom Verkaufsstand in der Kirche zum eigenen Laden

Ulrike Simon vom Fairtrade-Laden blickte auf die Geschichte des Fairen Handels in Raunheim zurück. Sie erinnerte daran, dass der damalige Gemeindereferent Bardo Frosch die Impulse gegeben und die verstorbene Rita Mora de la Rosa 1985 den Fairen Handel nach Raunheim gebracht habe. Hannelore Mehler habe dabei an ihrer Seite gestanden. Anfangs wurden einmal im Monat nach dem katholischen Gottesdienst landwirtschaftliche Produkte verkauft. Über den Missionsausschuss wuchs der Faire Handel. Lebensmittel wurden um dekorative Produkte erweitert. „Ach, ich hätte doch so gerne ein Lädchen“, schilderte Simon den Wunsch Mora de la Rosas. Dieser wurde 2012 mit dem mietfreien Laden im neuen Rathaus erfüllt. Das Team konnte schnell vergrößert werden.



Werbung um weiteres ehrenamtliches Engagement

Nach Mora de la Rosas Tod führte Anna-Maija Gräf-Vepsäläinen den Laden engagiert weiter, die ebenfalls inzwischen verstarb. Das Anliegen beider Frauen war, dass Raunheim Fairtrade-Town werde. „Der Laden wird nun von vier Frauen im Sinne von Rita und Anne weitergeleitet“, sagte Simon. Unterstützt werden sie von 16 bis 18 Frauen und einem Mann. Alle Helferinnen und Helfer des Fairtrade-Ladens leisten ehrenamtliche Arbeit und würden sich über weitere helfende Hände vor und hinter der Ladentheke freuen. Der Laden hat drei Mal wöchentlich geöffnet.

Fair genießen und ins Gespräch kommen

Im Anschluss an die Verleihung besuchten die Teilnehmenden die Mitmachausstellung „Fair handeln, nachhaltig leben“. Bei fair gehandeltem Kaffee und Keksen sowie frisch zubereiteten, fairen Snacks bot sich Gelegenheit für zahlreiche Gespräche über das langjährige bisherige Engagement und die gemeinsamen Vorhaben für die Zukunft. In angenehmer Atmosphäre klang die Veranstaltung schließlich aus.