Hilfreicher Vortrag im Familienzentrum

Hilfe, mein Kind beißt – Antworten finden und Strategien entwickeln

Als Aggression wahrgenommen

„Kratzen, Beißen, Schubsen – wenn kleine Kinder große Gefühle haben“ lautete der Vortrag von Elke Tragesser, Leitung der Kindertagesstätte FarbenFroh. Die Informationsveranstaltung richtete sich vorwiegend an Eltern von Kindern im Krippenalter. Tragesser fokussierte sich in ihrer anschaulichen Präsentation auf das „Beißen“, weil bei diesem Verhalten die meiste Aufregung bei den Eltern auf beiden Seiten entsteht, sowohl auf der Seite des handelnden als auch des verletzten Kindes. Dennoch lassen sich die Beobachtungen, Reaktionen und Strategien auch auf andere Aktionen beziehen.

Beißen und Kratzen werden oft schlimmer bewertet als Schubsen, weil beides unmittelbar und mitunter sehr schmerzhaft sein kann und zudem noch deutliche Spuren hinterlässt. Beim Beißen und Kratzen schwindet die körperliche Distanz auf nahezu Null. Beide Aktionen werden vorrangig als Aggression wahrgenommen.

Beißen ist eine Reaktion auf Ereignisse

Bei den Eltern des agierenden Kindes stellt sich häufig erst einmal ein Ohnmachtsgefühl mit vielen Fragen ein. Warum macht mein Kind so etwas? Ist es aggressiv? Habe ich etwas falsch gemacht? „Verhalten ist Kommunikation – keine Charaktereigenschaft“, antwortet Tragesser und nimmt damit die Befürchtung, das eigene Kind sei vielleicht grundlos aggressiv. Kinder unter drei Jahren sind noch nicht in der Lage, Gefühle, Überforderungen, Bedürfnisse und Konflikte verbal auszudrücken. Die Kinder reagieren dennoch auf Situationen und Emotionen. Ihre Impulskontrolle ist aber noch nicht ausgereift, der Körper übernimmt die Reaktion.

Verständnis entwickeln statt Schuldigen suchen

Beißen kann verschiedene Auslöser haben: Gefühle wie Wut, Frust, Angst, Eifersucht und Aufregung können Gründe sein. Aber auch Zahnen als körperliche Ursache sowie Lärm, Reizüberflutung und Konflikte als soziale Hintergründe. „Wichtig ist, wir suchen nicht nach einem Schuldigen“, unterstrich Tragesser. Vielmehr sollten die erwachsenen Bezugspersonen wie Eltern oder Erzieherinnen und Erzieher Verständnis dafür entwickeln, ein Muster zu finden, weshalb das Kind häufig andere Kinder beißt. Die Fragen nach vorangegangenen und darauffolgenden Ereignissen, nach der Beteiligung von weiteren Kindern, nach der Umgebungssituation, aber auch nach der Reaktion der Eltern dienen der Findung nach einer Lösung.

 Handlungsstrategien entwickeln

„Erst regulieren, dann reflektieren und reden“, bot Tragesser als Strategie an. Das heißt, dem Kind vermitteln, dass es nicht beißen soll, das betroffene Kind zunächst versorgen, die Situation beenden und beide Kinder aus der Situation begleiten. Dann gelte es, dem agierenden Kind in kurzen und klaren Sätzen verständlich zu machen, dass seine Handlung nicht richtig war und ihm Alternativen anzubieten. Es kann beispielsweise in Konfliktsituationen Hilfe holen, es kann statt zu beißen mit den Füßen aufstampfen. Eine weitere Möglichkeit ist die Stopp-Geste mit der Hand, wenn ein anderes Kind ihm zu nahe rückt.

Gemeinsames Handeln von Kita und Eltern

Eltern haben die Möglichkeit, zuhause Situationen zu beobachten, wenn ihr Kind Gefühle bewältigt. „Nicht fragen, was mit meinem Kind nicht stimmt, sondern hinterfragen, was das Kind versucht, mitzuteilen“, riet Tragesser. Die Kindertagesstätte und die Eltern können auch gemeinsam das Verhalten des Kindes reflektieren, Strategien entwickeln und Veränderungen beobachten. Dabei braucht es Verständnis für alle Beteiligten. Kinder sollen dennoch ihre Grenzen erhalten. „Was braucht mein Kind, damit es das nächste Mal anders reagieren kann?“ fasste Tragesser abschließend als wichtige Frage die Strategie zusammen.

Der Vortrag animierte die teilnehmenden Eltern zu einer angeregten und konstruktiven Diskussion. So entstand eine aktive und motivierte Gruppe, die sich selbst mit Erfahrungen, Ideen und Anregungen einbrachte.