Am Samstag, 4. Juli, war der Auftakt der internationalen Jugendbegegnung mit Jugendlichen des Städtenetzwerks Raunheims mit Le Teil in Frankreich und Lubny in der Ukraine. 23 junge Menschen kamen mit ihren Betreuerinnen sowie den Gastgeberinnen und Gastgebern aus der Stadtverwaltung in der Paul-Avon-Anlage zu einem Grillfest zusammen. Auch der Verein Freunde Europas feierte mit.
Von Ermüdungserscheinungen wegen der langen Anreise war keine Spur. Die Gäste aus Lubny waren immerhin rund 40 Stunden unterwegs gewesen, die französische Gruppe hatte die Anreise innerhalb von neun Stunden geschafft. Ohne große Berührungsängste kamen die Jugendlichen zusammen, nahmen schnell Kontakt untereinander auf und tauschten sich lebhaft aus. Es herrschte eine fröhliche, gelöste Stimmung und es wurde viel gelacht. „Ich musste sogar die Musik leiser machen, weil es ihnen zu laut für eine Unterhaltung war“, erzählte der städtische Mitarbeiter Isack Majura.
Demokratie und Grundgesetz
Die letzte internationale Jugendbegegnung fand vor vier Jahren ebenfalls in Raunheim statt, damals unter der Beteiligung von Jugendlichen aus der französischen Partnerstadt. In den kommenden zwei Jahren wird dann Le Teil die nächsten beiden Treffen ausrichten. „Ziel ist, die internationale Jugendbegegnung fest zu etablieren“, unterstrich Kerstin Jühe, Leiterin des Fachbereichs Bildung und Soziales.
„Unsere Begegnungen sind der gelebte Gedanke eines vereinten Europas“, beschrieb sie den Hintergrund. Die Themen Demokratie und Grundgesetz ziehen sich als roter Faden durch das diesjährige Programm. Die Jugendlichen hätten in der heutigen Zeit mit den sozialen Medien ganz andere Möglichkeiten, sich auszutauschen und in Kontakt zu bleiben, so Jühe. Das erleichtere dauerhafte Beziehungen über Ländergrenzen hinweg.
Unterschiedliche Kenntnisse des Städtenetzwerks
Alisa Nosko und Max Taran haben den weiten Weg aus der zentralukrainischen Stadt auf sich genommen. Sie kommen nach den Sommerferien in die 11. Klasse des European Academic Lyceum. Max hatte bereits über seine Eltern Kenntnis von dem Städtenetzwerk. Über die Social-Media-Kanäle hatte sich der 16-Jährige ebenfalls informiert. „Ich habe mit der Einladung für die internationale Jugendbegegnung von der Kooperation gehört“, stellte dagegen die ein Jahr jüngere Alisa fest.
Neue Freundschaften, schöne Erinnerungen
Was erwarten die Jugendlichen von der Begegnung und ihrem Aufenthalt in Raunheim? „Neue Freundschaften, kulturelle Erlebnisse und schöne Erinnerungen“, sagte Max. Er habe schon immer mal Frankfurt sehen wollen. Dieser Wunsch wurde auch erfüllt: Am Montag fand ein Besuch der Paulskirche und eine Fahrt mit der Primus-Linie auf dem Main statt. „Ich nehme an der Begegnung teil, um Menschen kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen“, meinte Alisa. Auf die Mainmetropole freute sie sich ebenfalls, weil sie eine ganz andere Dimension habe als Lubny. Die ukrainische Stadt zählte vor dem Angriffskrieg durch Russland rund 40.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Mindestens 10.000 Menschen sind inzwischen schätzungsweise geflüchtet. In Frankfurt leben hingegen etwa 780.000 Menschen.
Pablo Navoly wird die siebte Klasse des Collège des Ensemble Scolaire Longueville in Le Teil, Manon Rousseau die achte Klasse des Collège des Ensemble Scolaire Marie-Rivier besuchen. „Ja, ich wusste von der Partnerschaft“, sagte die 12-jährige Manon. In der Schule sei über die Freundschaft der Städte gesprochen worden. Pablo hatte ebenfalls bereits Kenntnis von der Verbindung. Die beiden Jugendlichen wollen in Raunheim Erfahrungen sammeln, Menschen treffen und neue Freunde finden.
Lust auf Ausflüge
Sofiia Horbas geht an die Integrierte Gesamtschule Kelsterbach. Nach den Sommerferien kommt sie in die sechste Klasse. „Nein“, bekannte das 11-jährige Mädchen. „Ich habe von den Städtefreundschaften bisher nichts gewusst“. Sie habe davon erst durch die Anfrage erfahren, ob sie teilnehmen möchte. Sie hatte große Lust auf die geplanten Ausflüge, einer davon führte in den hessischen Landtag in Wiesbaden. „Ich möchte Menschen aus anderen Ländern kennenlernen“, erklärte sie. Dies möchte auch Arkhyp Kovbasa, der in die siebte Klasse des Neuen Gymnasiums kommen wird. „Das ist mir am wichtigsten“, betonte der 13-Jährige. Er hatte bereits Kenntnis von den Städtefreundschaften und hatte sich schon vor einiger Zeit aus Interesse in der Online-Enzyklopädie Wikipedia erkundigt.
