Fortbildung im Heimatmuseum

Kaffeemühle und Mammutzahn

Das Heimatmuseum – ein „Haus der Geschichte“ für alle. So lautete die Vision nach der Wiedereröffnung mit umfangreicher Sanierung und neu konzipierter Dauerausstellung im Dezember 2016. Das Museum sollte möglichst vielen Menschen zugänglich gemacht werden. Vor allem Kitagruppen und auch Schulklassen haben die Möglichkeit, ins Heimatmuseum zu Besuch zu kommen.

Mindestens einmal ins Museum

Nina Finkernagel leitet das Heimatmuseum von städtischer Seite aus und hat direkt im ersten Jahr – 2017 – damit begonnen, Fortbildungen für das Kita-Personal anzubieten. Die Idee, die sie damit verfolgt: „Ideal ist es, wenn die Vermittlung von museumspädagogischen Inhalten nicht nur auf den Besuch im Heimatmuseum beschränkt bleibt.“ Das Ziel war es, den Kita-Teams Ideen, Materialien und Vorschläge zu unterbreiten, wie sie mit drei- bis sechsjährigen Kindern die Besuche im Heimatmuseum vor- oder nachbereiten können. Zudem können sie so, unabhängig von einem Besuch in der Mainstraße 23 entsprechende Angebote in der Kita unterbreiten.

Die Absicht bleibt natürlich weiterhin: „Mindestens einmal während seiner Kita-Zeit sollte jedes Raunheimer Kind das Heimatmuseum besucht haben“, formuliert Finkernagel ihren Wunsch. Die Fortbildungen für das pädagogische Personal entwickelte maßgeblich Elke Fleißig. Sie war jahrelang Kita-Leitung bei der Stadt Frankfurt, hat zudem im dortigen Bildungsnetzwerk mitgewirkt und befindet sich seit einigen Jahren im Ruhestand. Durch ihre berufliche Erfahrung bringt sie ein immenses Fachwissen mit, wie museumspädagogische Angebote altersgerecht für Kita-Kinder zu entwerfen sind.

Waschbrett und Kohleherd

Elke Fleißig und Nina Finkernagel haben in den vergangenen Jahren etliche Bildungsangebote für die neun städtischen Kitas umgesetzt. 2017 ging es darum, kindergerechte Führungen vorrangig zum Thema Steinzeit zu entwickeln. Mit Mammutzahn und Steinbeil sind wichtige Exponate dieser Epoche im Museum vertreten. Sogar den Bau eines Steinzeitbohrers konnte das Kita-Personal während des damaligen Workshops umsetzen.

In den Folgejahren lauteten die Themen „Kindheit um 1900“ mit Schaukelpferd, Zinnsoldat und Puppenküche. In einer weiteren Fortbildung mit dem Titel „Leben um 1900“ beschäftigten sie sich mit dem Themenbereich „Wohnen – Kleidung – Wäsche um 1900 und heute“. Innerhalb der Dauerausstellung bietet der Raum „Alltag“ im ersten Stock des Museums zahlreiche Anknüpfungspunkte: Ein Dauerbrandkohleherd mit Wasserschiff, ein altes Bügeleisen und eine Kaffeemühle aus dieser Zeit spannen auch für Kinder einen Bogen in die Lebenswelt vor mehr als 100 Jahren.

Beim Nachspielen eines „Waschtages“, wie er einst üblich war, erfuhren die Workshop-Teilnehmerinnen, wie mühsam und zeitaufwändig dieser Teil der Hausarbeit früher war: Mit Waschbrett und Kernseife hantierten sie unter der Anleitung von Elke Fleißig. Nina Finkernagel hält eine Zinkwanne und ein Waschbrett zum Ausleihen in ihrem Büro vor, mit denen ein Waschtag nacherlebt werden kann.

Von Römerzeit bis Rudolf-Ihm-AG

„Reise in die Römerzeit“ hieß eine weitere Fortbildung. Vormittags führte der Weg nach Frankfurt in die Dauerausstellung des Archäologischen Museums. Nachmittags beschäftigen sich die Kita-Mitarbeitenden mit den Themen Kochen und Ernährung, Kleidung, Spiele, Schule, römische Familie, Bad/Körperpflege und Militär dieses Zeitalters.

Küfer, Wagner, Hausfrau – „Berufe früher“ war 2024 eine weitere Fortbildung überschrieben, die einen Zugang zu klassischen Berufen vor rund 150 Jahre bot. Viele davon waren im landwirtschaftlichen Bereich angesiedelt. Im vergangenen Jahr lud Elke Fleißig zur Fortbildung „Alte Spiele“ ein – Hickelkästchen, Murmelspiele und vieles mehr konnte hier neu entdeckt werden. Es gab viele Impulse, die mit Kindern im Kita-Alltag umgesetzt werden können.

Für dieses Jahr ist eine Fortbildung zur Rudolf-Ihm-AG geplant. Industrialisierung sowie Ledergewerbe und Gerberei gehören zum Thema. Von Vorteil ist, dass dieser Ort mit Kindern zu Fuß besucht werden kann. Ein Stück früherer Stadtgeschichte ist so für Kinder unmittelbar erlebbar.