Energie & Wärmeplanung

Kommunale Wärmeplanung

Was ist die Kommunale Wärmeplanung (KWP) und auf welcher Grundlage erfolgt sie?

Die kommunale Wärmeplanung ist ein strategisches Planungsinstrument zur langfristigen und klimafreundlichen Gestaltung der Wärmeversorgung in Städten und Gemeinden. Sie wurde mit dem am 1. Januar 2024 in Kraft getretenen Wärmeplanungsgesetz (WPG) bundesweit eingeführt und ist damit verpflichtend umzusetzen. Ziel des Gesetzes ist es, den Kommunen einen verlässlichen Rahmen für die Planung einer treibhausgasneutralen Wärmeversorgung zu geben und damit die Energiewende im Gebäudesektor voranzubringen.

Die KWP untersucht den aktuellen Wärmebedarf, vorhandene Versorgungsstrukturen sowie die Potenziale erneuerbarer Energien und unvermeidbarer Abwärme. Auf dieser Grundlage werden geeignete Versorgungsmöglichkeiten für einzelne Gebiete vorgestellt, beispielsweise durch Wärmenetze, dezentrale Wärmepumpen oder andere klimafreundliche Heizlösungen.

Ziel der KWP ist es, Bürgerinnen und Bürgern, Unternehmen sowie Energieversorgern frühzeitig Orientierung über die zukünftige Wärmeversorgung zu geben und die Voraussetzungen für eine langfristig sichere, wirtschaftliche und klimaneutrale Wärmeversorgung zu schaffen. Dabei handelt es sich zunächst um ein strategisches Planungskonzept; aus der Wärmeplanung ergibt sich keine unmittelbare Verpflichtung zum Austausch bestehender Heizungsanlagen.

KWP ist dabei nicht KWR!

Die KWP und das konkrete Projekt "Konzept zur Erreichung einer nachhaltigen Wärme- und Energieversorgung für Raunheimer Haushalte und Betriebe" (KWR) sind zwei voneinander unabhängige Vorhaben mit unterschiedlicher Zielsetzung, unterschiedlichem Ursprung und unterschiedlicher rechtlicher Grundlage. Das KWR-Projekt wurde 2022 von der Stadt Raunheim bereits vor dem gesetzlichen Auftrag zur kommunalen Wärmeplanung 2024 entwickelt. Hintergrund waren die erheblichen Verwerfungen auf den Energiemärkten infolge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine sowie die daraus resultierenden Preissteigerungen bei Gas und Öl. Aufgrund dessen bestand die Notwendigkeit, frühzeitig nach langfristig tragfähigen und bezahlbaren Lösungen für die örtliche Energieversorgung zu suchen.


Das KWR-Projekt verfolgt dabei einen konkreten Ansatz: die Nutzung von Abwärme aus Rechenzentren als Grundlage für den Aufbau eines Nahwärmenetzes. Es handelt sich um ein eigenständiges kommunales Entwicklungs- und Umsetzungsprojekt, das auf den besonderen Standortvoraussetzungen Raunheims aufbaut.
Die KWP hingegen ist wie beschrieben ein gesetzlich vorgeschriebenes strategisches Planungsinstrument. Sie untersucht ergebnisoffen sämtliche Möglichkeiten einer zukünftigen treibhausgasneutralen Wärmeversorgung im Stadtgebiet. Dabei werden unterschiedliche Technologien und Versorgungswege betrachtet und bewertet, beispielsweise Geothermie, Umweltwärme, Wärmepumpensysteme, Abwärmenutzung, Biomasse, Solarthermie oder weitere lokale Potenziale.

Das KWR-Projekt kann im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung als eine von mehreren vorhandenen oder potenziellen Versorgungsoptionen berücksichtigt werden. Die kommunale Wärmeplanung beschränkt sich jedoch nicht auf dieses Projekt, sondern betrachtet das gesamte Spektrum möglicher Wärmeversorgungslösungen für das Stadtgebiet.

Was ist das Ziel der Wärmeplanung?

Ziel ist es, frühzeitig allen Bürgern und Unternehmen die Weichen für eine zukunftsfähige Wärmeversorgung aufzuzeigen, die versorgungssicher, klimafreundlich und wirtschaftlich umsetzbar ist. Ein kommunaler Wärmeplan ist somit eine strategische Fachplanung. Er zeigt auf, wie sich die Wärmeversorgung einer Stadt langfristig entwickeln kann.

Warum braucht es einen Wärmeplan?

Ein großer Teil des Energieverbrauchs entfällt auf Wärme, insbesondere für das Heizen von Gebäuden und die Warmwasserbereitung. 
Ein erheblicher Anteil wird derzeit noch durch fossile Energieträger wie Erdgas und Heizöl gedeckt.

Um langfristig Versorgungssicherheit zu gewährleisten, Kosten stabil zu halten und die durch die Bundesregierung festgelegten Klimaziele zu erreichen, braucht es neue Lösungen. Die kommunale Wärmeplanung hilft Bürgern und Unternehmen dabei, einen strukturierten und realistischen Weg für die zukünftige Wärmeversorgung in Raunheim zu entwickeln.

Dabei werden unter anderem folgende Fragen betrachtet:

  • Wie hoch ist der aktuelle Wärmebedarf in Raunheim?
  • Welche erneuerbaren Energiequellen und Potenziale gibt es vor Ort?
  • Wo könnten Wärmenetze sinnvoll sein?
  • Welche Versorgungsoptionen kommen grundsätzlich infrage?

Wie verbindlich ist ein Kommunaler Wärmeplan?

Der Wärmeplan trifft keine Entscheidungen über konkrete Projekte oder den Bau von Anlagen. Er schafft eine Datengrundlage und dient Bürgern, Unternehmen und der Politik als Orientierung für spätere Entscheidungen.

Was bedeutet das für Sie als Bürgerin oder Bürger?

Aus der kommunalen Wärmeplanung entstehen keine direkten Vorgaben oder Verpflichtungen für Haushalte oder Eigentümerinnen und Eigentümer.

Der Wärmeplan dient ausschließlich als Orientierung:

  • Welche Lösungen könnten in verschiedenen Gebieten künftig sinnvoll sein?
  • Welche Technologien spielen perspektivisch eine Rolle?
  • Welche Entwicklungen sind langfristig zu erwarten?

Ziel ist es, Transparenz und Planungssicherheit zu schaffen, insbesondere vor dem Hintergrund steigender Energiepreise und neuer gesetzlicher Rahmenbedingungen.

Was ist der rechtliche Hintergrund und wie sind die Fristen?

Die kommunale Wärmeplanung ist bundesgesetzlich vorgesehen. Kommunen wie Raunheim mit weniger als 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern sind verpflichtet, bis spätestens 30. Juni 2028 einen Wärmeplan zu erstellen.

Raunheim kommt dieser Aufgabe frühzeitig nach und schafft damit eine wichtige Grundlage für die zukünftige Entwicklung der Wärmeversorgung.

Wie läuft die Wärmeplanung ab?

Die Wärmeplanung erfolgt in mehreren Schritten:

  1. Bestandsanalyse:
    Hier geht es um die Erfassung der heutigen Wärmeversorgung, der Gebäude, Verbräuche und Infrastrukturen.
  2. Potenzialanalyse:
    Anschließend werden lokale Möglichkeiten untersucht, z. B. erneuerbare Energien, Abwärme, Umweltwärme.
  3. Entwicklung von Szenarien:
    Anschließend werden mögliche Wege für die zukünftige Wärmeversorgung identifiziert.
  4. Strategie und Maßnahmen:
    Schließlich werden hiervon konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet und dem Stadtparlament zur Beschlussfassung vorgelegt.


Wer führt die Wärmeplanung konkret durch?

Die kommunale Wärmeplanung wird im Auftrag der Stadt Raunheim erarbeitet. Hierzu wurden externen Fachbüros beauftragt, die die gesetzlich vorgeschriebenen Leistungen erbringen und notwendigen Verfahrensschritte betreuen. Gemeinsam bringen sie fachliche Expertise in den Bereichen Energieinfrastruktur, Planung und Wärmewende ein.
Die Finanzierung erfolgt zu einem Anteil von 30 % über Fördermittel des Landes Hessen.

Wie werden Bürgerinnen und Bürger beteiligt?

Information und Beteiligung sind ein wichtiger Bestandteil der Wärmeplanung. Die Stadt Raunheim wird regelmäßig über den Projektfortschritt informieren. Erste Ergebnisse werden auf der Website veröffentlicht und im Rahmen einer öffentlichen Informationsveranstaltung vorgestellt. Dort besteht die Gelegenheit, Fragen zu stellen und Hinweise einzubringen. Beteiligungs- und Informationsmöglichkeiten werden frühzeitig kommuniziert.

Wie geht es weiter?

In den kommenden Monaten werden Daten zur aktuellen Wärmeversorgung erhoben und analysiert. Darauf aufbauend werden erste Ergebnisse erarbeitet. Über den weiteren Verlauf sowie Beteiligungsmöglichkeiten informiert die Stadt Raunheim fortlaufend.